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Informationsgesellschaft 2015Information und Wissen sind Wegbereiter und Garanten des gesellschaftlichen und ökonomischen Fortschritts. Auf dieser Grundlage erwarten rund 77 % der befragten Experten in mittlerem bis sehr hohem Maße, dass die Informationswirtschaft im Jahr 2015 der wichtigste Sektor der deutschen Volkswirtschaft sein wird. Einen weiteren Beleg für die große und weiterhin steigende gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Informationswirtschaft liefert eine Betrachtung des Informationstechnik- und Telekommunikationsmarktes in Deutschland (Abbildung 38).
Im Jahr 2004 lag in Deutschland der Anteil des Umsatzes mit Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) am Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei ca. 6 % 6. Bis zum Jahr 2010 wird dieser Anteil auf 9 % des BIP angestiegen sein, was einem Wachstum von 41 % entspricht. Und nochmals fünf Jahre später wird die ITK-Branche 12 % des deutschen BIP erwirtschaften. Das entspricht einem Wachstum von 34 %. Dies wird nach Expertenmeinung einschneidende Konsequenzen haben. Mit der zunehmenden Bedeutung der Informationswirtschaft ist etwa auch ein erhöhter Bedarf an Arbeitskräften verbunden. Rund 44 % der Befragten sind in hohem oder sehr hohem Ausmaß der Ansicht, dass die Informationsgesellschaft bis zum Jahr 2015 erheblich zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen wird. Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang eine effiziente Breitband-Infrastuktur? Etwa 71 % der Befragten stimmen in hohem bis sehr hohem Ausmaß der Aussage zu, dass eine überlegene Breitband-Technologie - zur Erzeugung, Speicherung und dem Austausch von Informationen - ein entscheidender Erfolgsfaktor im internationalen Standortwettbewerb ist. Die Einschätzung für die zukünftige Wettbewerbsposition Deutschlands in Bezug auf diese Breitband-Infrastruktur fällt allerdings verhalten aus: Deutschland bewegt sich in einem Neun-Länder-Vergleich am unteren Ende des Mittelfeldes (Tabelle 2).
Als globale Top-Player im Jahr 2015 werden Südkorea, die USA und Japan eingestuft. Diese Länder nehmen bereits heute eine innovative Vorreiterrolle mit ihrer Breitband-Infrastruktur ein, so beträgt beispielsweise die Breitband-Reichweite in Südkorea derzeit 73 % 7. Deutschland liegt im vorgenommenen Vergleich mit durchschnittlich 6,4 Punkten auf dem sechsten Platz hinter Schweden und Großbritannien. Frankreich, Italien und Spanien werden nach Ansicht der Experten im Jahr 2015 die Schlusslichter im Neun-Länder-Vergleich bilden. Neben der Breitband-Infrastruktur gibt es noch weitere Faktoren, die die Entwicklung der Informationsgesellschaft in Deutschland entscheidend beeinflussen (Abbildung 38). Über drei Viertel der befragten Experten sind der Meinung, dass ein hohes Vertrauen in die Sicherheit von Informations- und Kommunikationstechnologien und die Überzeugung von bisherigen „Offlinern” positiv zur Entwicklung beitragen können.
Bedingt durch den demographischen Wandel steigt der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung. Deshalb erscheint die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse bei der Gestaltung der Informationsgesellschaft als besonders wichtig. Die Mehrheit der befragten Experten ist sich hierbei einig: Im Jahr 2015 wird die Nutzung von Breitband-Internet für viele ältere Menschen ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltages sein. Und gerade hier besteht noch erhebliches Potenzial. In der Altersgruppe der über 50-jährigen ist die höchste Internetnutzer-Zuwachsrate (fast 100 %) bis zum Jahr 2015 zu erwarten
Informationen stellen in der Wissensgesellschaft das zentrale Gut dar. Damit wird die Möglichkeit, mit Informationen zielgerichtet umzugehen, die so genannte Medienkompetenz, zu einer der wichtigsten Fähigkeiten für Bürger und Unternehmen. Drei Viertel der Experten sehen in der Kompetenz, aus einer Fülle von verfügbaren Informationen die jeweils relevanten auszuwählen, aufzunehmen und zu verarbeiten, den entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen im Jahr 2015. Mit der Entwicklung der Informationsgesellschaft verändern sich jedoch nicht nur die Wirtschafts- und Arbeitsmarktstrukturen, sondern auch das gesellschaftliche Leben. Deutlich zeigt sich dies an der Entwicklung der Mediennutzung (Abbildung 41).
Das Zeitbudget für Mediennutzung steigt - verglichen mit 2004. Bis 2015 prognostizieren die Experten einen weiteren Zuwachs bei der Mediennutzung um ca. 72 Minuten am Tag. Dieses Wachstum wird fast vollständig auf das Internet zurückgeführt. Während einzig die TV-Nutzungszeit noch leicht steigen soll, wird eine geringere Hörfunk- und Printmediennutzung erwartet. Was das Fernsehen angeht, so sind die neuen Chancen dieses Massenmediums ebenfalls der Breitband-Technologie geschuldet. Breitband-basiertes TV stellt dabei nicht nur einen alternativen Vertriebsweg dar, sondern ermöglicht auch zusätzliche Funktionalitäten, wie z. B. einen flexiblen Zugriff und Interaktivität. Diese Entwicklung wird möglicherweise nicht vollständig zu Lasten des klassischen Fernsehens gehen; die parallele Nutzung der verschiedenen TV-Arten in den Haushalten ist wahrscheinlich. Abschließend kann festgehalten werden, dass die Bedeutung von Informationen als Wirtschaftsgut weiter wachsen wird. Um diese Potenziale voll zu nutzen, müssen Unternehmen, öffentliche Institutionen und Bürger ihre Kompetenzen weiter ausbauen. Der vorgenommene Neun-Länder-Vergleich, bei dem Deutschland lediglich auf Rang 6 liegt, zeigt, dass hier noch erhebliches Entwicklungspotenzial besteht. Auf gesellschaftliche Veränderungen wie den demographischen Wandel ist bei der Entwicklung ein besonderes Augenmerk zu richten. Der Lohn für diese Bemühungen ist eine deutliche Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft. |
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Letzte Änderung: 26.11.2006 |
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